Alpenflug Nach Bolzano/Italien

Vorgesehen war eigentlich mal wieder ein Flug nach Slowenien. Aber aufgrund unsicherer Termine meines Freundes in Slowenien hat mich Krystian - mit dem ich immer gern gemeinsam fliege - "überredet", statt Slowenien anzusteuern, mal nach Italien zu fliegen und zwar nach Bozen, wo sich gerade nahe Verwandte zum Urlaub aufhalten. Diesmal ist Silke - Krystian's bessere Hälfte - mit dabei, was mich besonders freut, da wir (Krystian, Silke und ich) im Oktober/November einen gemeinsamen Fliegerurlaub in den USA verbringen wollen.

Eigentlich ist Bozen/Südtirol ja nicht das "richtige" Italien. Aber gleichwohl ist es erforderlich, sich mit der italienischen AIP zu befassen. Eine eigene AIP für Südtirol gibt es ja nicht! :-) :-)
Auch die italienische AIP ist im Internet kostenlos einzusehen, nachdem eine kurze Registrierung erfolgt ist. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wann es endlich mal in Deutschland so weit ist. Ich werde es vermutlich nicht mehr erleben.
Neben der italienische AIP war mir die Webseite von Philipp Tiemann Fliegen in Italien bei der Flugvorbereitung ausgesprochen hilfreich. Diese Seite kann ich nur empfehlen. Philipp Tiemann hat auch eine ähnliche Webseite für das Fliegen in UK erstellt. Auch diese Seite sollte sich niemand entgehen lassen, der in oder nach UK fliegen will. Dafür ein herzliches Dankeschön an Philipp Tiemann.

Italien war für mich bisher fliegerisch ein fremdes Land. Durch das Lesen der AIP und der Webseite Fliegen in Italien wurde es mir aber vertrauter. Österreich kannte ich schon von verschiedenen anderen Flügen. Und die schönen Alpen - die manche auch nur als störenden "Steinhaufen" ansehen - sind mir bergsteigerisch schon seit Jahrzehnten bekannt.
Die Flugvorbereitung war daher schnell umgesetzt. Es war nur ein verlängerter Wochenend-Ausflug vorgesehen...........von Freitag, den 02. August bis Sonntag, den 04. August. Das Wetter in den Alpen sollte perfekt sein........ aber für den Rückflug mussten wir im Süden Deutschlands mit "unfreundlichen Passagen" rechnen. Gewitter wollten uns bedrohen. Für den Alpenflug gab es ein klares "GO". Ein eventuelles "NO GO" für den Rückflug durch Süddeutschland ab St. Johann i. T. hatten wir aber in Erwägung gezogen. Als VFR-Flieger muss man halt flexibel sein. Soweit vorab: Zum "NO GO" sollte es nicht kommen.

Unsere Route sollte von unserem Heimatflugplatz Meschede-Schüren (EDKM) zunächst nach Leutkirch-Unterzeil (EDNL) gehen. Um 07.44 UTC starten wir in Meschede und erreichen Leutkirch um 10.07 UTC nach 2 Std. 23 Min. Flugzeit. Dieses erste Leg hat Krystian als PIC übernommen, so dass ich den Flug relaxt genießen konnte. In Leutkirch mussten wir die Maschine bis zum Kragen auftanken, da es in Bozen kein AVGAS für uns zu kaufen gibt....... kein Scherz!!!! (siehe NOTAMS, ohne deren Studium man niemals einen solchen Flug antreten sollte). Die Treibstoffberechnungen ergaben aber, dass wir in jedem Fall bis zur nächsten Tankmöglichkeit ausreichend AVGAS zur Verfügung haben...... sofern dieser nicht "auf besondere Art" in Italien "verfliegt".
Nach dem Auftanken konnten wir uns im netten Flugplatzrestaurant von Leutkirch auch noch selbst stärken. Leutkirch ist immer einen Besuch wert......... genau so, wie unser Heimatplatz Meschede-Schüren. Nach einer ausgiebigen Mittagspause sollte es um 14.30 UTC weiter gehen. Für Flüge nach Österreich ist i. d. R. (es gibt Ausnahmen) kein Flugplan erforderlich, wenn man von Deutschland aus einfliegt. Aber für den Flug nach Bozen ist dieser unumgänglich. Die Flugplanaufgabe ist bereits vorher von daheim aus über das AIS-Portal erfolgt. Für den Rückflug ist die Flugplandatei auch schon vorbereitet und im AIS-Portal gespeichert, so dass die Flugplanaufgabe über das AIS-Portal von Italien aus online sehr schnell erfolgen kann. Erforderliche Veränderungen können in der gespeicherten Datei vor Aufgabe des Flugplanes immer noch gemacht werden.

Die Legs in den Alpen habe ich als PIC übernommen. Krystian und Silke sind mit Kameras bewaffnet. Dummerweise kann man bei der PA28 keine Fenster zum Fotografieren öffnen. Und auf das Öffnen der Tür verzichten wird verständlicherweise. :-)
Um 14.32 UTC starten wir in Leutkirch-Unterzeil und nehmen Kurs Richtung Süden auf. Der freundliche Flugleiter in Leutkirch übermittelt die Startmeldung und bestätigt die Erledigung über Funk. Danach melde ich mich bei München Info (Frequenz 126.950) und werden von dort bis zur Grenze Deutschland-Österreich "begleitet".
Wir hatten uns für eine Route über die Ötztaler Alpen entschieden. Hier der effektive Flugtrack nach GPS-Aufzeichnung:



Nach kontinuierlichem Steigflug auf 9500 ft. überfliegen wir die südlichen Berge der Allgäuer Alpen.

Kurz vor Überflug der Grenze Deutschland-Österreich melde ich mich bei München Info ab und nehme Kontakt mit Wien Info (Frequenz 124.400) auf. Die Flugplandaten liegen auch dort vor. Wien Info sollte uns bis zum Überflug der Grenze Österreich-Italien begleiten. Wien Info weist darauf hin, dass ich Wien Info voraussichtlich auf der vorgesehenen Route aufgrund der Berge nicht mehr erreichen kann. Man bittet mich aber, beim Überflug der Grenze Österreich-Italien eine Blindmeldung abzusetzen und den Überflug der Grenze mit Höhenangabe zu melden, da die Möglichkeit besteht, dass Wien Info mich wenigstens noch empfangen kann.

Um über die höheren Berge der Ötztaler Alpen fliegen zu können, muss ich weiter an Höhe gewinnen und steige kontinuierlich auf 12000 ft..
Durch das Kaunertal geht es zunächst Richtung Gepatsch Stausee. Im Hintergrund sind bereits die Gletscher der Ötztaler Alpen zu sehen.



Am Ende des Kaunertales haben wir einen schönen Blick auf den Taschachferner, der sich von der 12375 ft. hohen Wildspitze herunterzieht.

Der weitere Flug verläuft über die Gletscherregion der Ötztaler Alpen und die Fundstelle von Ötzi, dem Mann aus dem ewigen Eis. Sein Denkmal ist aus dieser Höhe nur schwer auszumachen.

Kurz vor dem Überflug der Grenze Österreich-Italien versuche ich Wien Info zu erreichen. Entgegen den Erwartungen kommt die Funkverbindung noch zustande. Ich gebe die entsprechenden Meldungen ab und werde von Wien Info mit dem Hinweis entlassen, Padova Info auf Frequenz 124.150 zu rufen. Wien Info weist darauf hin, dass ein Funkkontakt aufgrund der Berge ggfls. nicht möglich ist. In diesem Falle solle ich dann versuchen, Bolzano Aerodrome Info zu erreichen. Wien Info wünscht noch einen schönen Weiterflug. Die anschl. Kontaktaufnahme mit Padova Info funktioniert wider Erwarten und kann aufrecht erhalten werden, bis ich an Bolzano Aerodrome Info übergeben werde. Der Funk in englischer Sprache funktioniert völlig problemlos. Das Englisch der Italiener ist entgegen aller Unkenrufe gut zu verstehen.

Ab dem Grenzüberflug habe ich auf relativ kurzer Strecke erhebliche Höhe abzubauen....... von rd. 12500 ft. auf 789 ft.. Mit der Standardsinkrate funktioniert das sicher nicht. Der kontinuierliche Sinkflug mit weit höherer Sinkrate ist aber auch problemlos. Im Langsamflug können wir die Landschaft zudem besser genießen. Zunächst geht es über Corvara nach St. Leonardo und von dort weiter über Meran. Bald ist auch schon Bozen erkennbar.

Der Funkkontakt mit Bozen Aerodrome ist ebenfalls völlig problemlos. Ich erhalte umfangreiche Verkehrsinformationen über andere Flugzeuge. Mir wird RWY 19 zur Landung zugeteilt. Ohne jegliche Holdings kann ich meinen Anflug fortsetzen. Der Anflug zur RWY 19 über die weniger schönen industriellen Teile von Bozen ist nicht gerade einladend. Aber beim Anflug sollte man sich ohnehin auf die Landung konzentrieren. Nach 1 Std. 21 Min. Flugzeit von Leutkirch erreichen wir um 13.53 UTC Bolzano Airport und bekommen einen Gras-Abstellplatz zugewiesen. Die Taxi-Informationen sind ebenfalls professionell.
Leider habe ich vergessen, mir über Funk vom Tower die Schließung des Flugplanes bestätigen zu lassen. Vorsichtshalber rufe ich nach dem Aussteigen ARO Mailand unter +39 02 70143496 mittels Handy an und gebe die Landemeldung ab. Offenbar hatte der Tower das aber unaufgefordert bereits erledigt. Na ja, sicher ist sicher.

Nach dieser wunderschönen Anreise über das Allgäu und die Gletscherregionen der Ötztaler Alpen sind wir nun im "Brutkasten" von Südtirol angekommen. Die Temperaturen sind so hoch, dass man auf dem Pflaster Spiegeleier braten könnte.
Nach den Formalien im GAT werden wir draußen schon von unserem Chauffeur (Schwager von Silke) abgeholt. Mit ihm fahren wir nach Oberbozen (Renon/Sonnenplateau) auf rd. 1200 m Höhe, wo sich die Hitze leichter ertragen lässt. Hier verbringen wir die weitere Zeit, bis wir am Sonntag zum Rückflug nach Deutschland aufbrechen. Es sollte eine schöne, feuchtfröhliche Zeit werden. Aber selbstverständlich habe ich am Tag vor dem Rückflug als PIC auf Alkoholgenuss weitestgehend verzichtet.

 

 

Die Zeit auf dem Sonnenplateau ist viel zu schnell vergangen. Am Abend vor dem Rückflug befassen wir uns noch intensiv mit den Wetterprognosen. Für den weiteren Alpenflug bis St. Johann i. T. gibt es noch eine klares "GO", obwohl vorsichtshalber eine Route ganz im Westen ausgesucht wird, die wir dann nehmen, wenn die Wolken auf dem Alpenhauptkamm bereits aufliegen. Schließlich wollten wir den Großglockner-Korridor für den Überflug des Alpenhauptkammes nutzen.
Die weiteren Wetter-Prognosen für das Leg in Deutschland waren nicht gerade erfreulich. Wir sollten von einem Gewitterband verfolgt werden, dass sich vom Bodensee bis in den Nordosten zieht. Und einmal mussten wir durch. Wir wollten aber versuchen, die Schnelligkeit des Gewitterbandes zu überlisten und noch im Westen vor diesem Gewitterband nach Norden zu kommen.
Den bereits daheim im AIS-Portal gespeicherten Flugplan für den Rückflug von Bozen zunächst bis nach St. Johann i. T. habe ich daher zunächst hinsichtlich der Abflugzeit verändert. Wir wollten eine Stunde eher in Bozen starten, damit wir nach der Landung in St. Johann i. T. noch vor deren Mittagspause zum Weiterflug starten können. In St. Johann i. T. gibt es aufgrund der "freundlichen Nachbarschaft" des Flugplatzes ein Startverbot zwischen 12.30 Uhr und 14.00 Uhr LT. Ein Start nach 14.00 Uhr LT hätte uns mit Sicherheit den Weg zum Heimatflugplatz abgeschnitten.
Der Flugplan wurde also am Abend vorher für EOBT 07.30 UTC aufgegeben. Das Notam-Briefing kam in wenigen Minuten danach per Mail an und ergab keine neuen hinderlichen Erkenntnisse. Also konnten wir die letzte Nacht auf dem Sonnenplateau entspannt verbringen.

Am frühen Sonntagmorgen hat uns Silke's Schwager dann wieder zum Flugplatz Bozen gebracht. Zunächst ging es durch den Security-Bereich und dann zur Abfertigung am GAT. Wir mussten ja noch die Lande- und Parkgebühren bezahlen. Bei Ankunft hatte man uns auf Nachfrage noch gesagt, dass es insgesamt sicher weniger als € 30,00 kosten würde. Nun kam eine unverständliche Rechnung mit vielen "PLUSSSS" von € 47,88 dabei heraus. Die einzig blöde Ausrede: Ja, wir haben Anfang letzten Monats die Preise erhöht. Das konnte man natürlich bei unserer Ankunft vor einigen Stunden noch nicht wissen...... :-(
Dazu denke ich mir meinen Teil. Die Deutschen werden ja aktuell von vielen Europäern gemolken......... ob freiwillig oder gezwungen.

Diskussionen über den Preis waren ganz gewiss witzlos, so das wir die Zeit besser für den intensiven Maschinencheck und die Vorbereitung des Abfluges verwandt haben.
Vielleicht hatte man ein schlechtes Gewissen. Jedenfalls wurden wir mit einem kleinen "Elektrobus" (ähnlich einem Golf-Cart) zu unserer Maschine gebracht. Beim Ankunft mussten wir mit Gepäck noch laufen. Bis zur EOBT um 07.30 UTC hatten wir dann noch etwas Zeit, so dass das Gepäck in Ruhe verstaut und die Maschine intensiv gecheckt werden konnte. Das vom Hinflug übrig gebliebene AVGAS war auch noch nicht "verflogen".

Um 07.32 UTC starten wir von RWY 19, so dass wir bei einer westlichen Platzrunde noch innerhalb der  ATZ Bolzano (SFC bis 6500 ft. MSL) einiges an Höhe gewinnen können. Beim Einflug von der Brenner-Route ins Val Badia (Gadertal) wollte ich mindestens 8000 ft. MSL erreicht haben.
Der Tower in Bozen bestätigt auf Nachfrage die Eröffnung des Flugplanes und gibt uns Verkehrsinformationen bis zum Verlassen der Frequenz über dem Meldepunkt Castelletto. Im Bereich Bozen ist es nicht üblich, die Meldepunkte mit Echo oder Whiskey zu bezeichnen, sondern mit Castelletto (für E) und Terlano (für W).

Hier ein Foto vom Querabflug RWY 19. Rechts im Bild ist der Flugplatz zu erkennen.

Bei Verlassen der Bozener Frequenz werde ich wieder an Padova Info (Frequenz 124.150) übergeben. Aber trotz mehrfacher Versuche gelingt es bis zum Verlassen des italienischen Luftraumes bei Innichen nicht, eine Funkverbindung zu bekommen. Na ja, mich stört es nicht. So erspare ich mir viele überflüssige Fragen von Padova Info. In Bozen hatte man mich schon gefragt, zu welcher Zeit und in welcher Höhe ich den italienischen Luftraum an welcher Stelle verlasse. Bis auf die Höhe steht ja schon alles im Flugplan. Und die Höhenangabe "VFR" im Flugplan sollte auch ausreichen.

Als Flugweg hatte ich wieder eine schöne Route durch meine geliebten Berge vorgesehen. Hier die Route als effektiver Track gem. GPS-Aufzeichnung:

Bei Einflug in das Val Badia (Gadertal) von der Brenner-Route aus hat die Maschine ausreichende Höhe erreicht, um ohne Risiko in das Hochtal einzufliegen. Dazu hat auch noch ein Turn über dem Sonnenplateau beigetragen. Über St. Ulrich und Wolkenstein ging es zunächst vorbei am Langkofel (10436 ft.), dann weiter Richtung Canazei und von dort östlich weiter über das Pordoi-Joch zwischen Sella-Gruppe und Marmolada Richtung Cortina d'Ampezzo.

 

Auf diesem Foto ist der Sella-Stock zu sehen........

 

und hier die Marmolada (10968 ft.).

 

Wer kennt Sie nicht? Die weltberühmten Drei Zinnen, die man mit dem Auto vom Misurina-See über eine Mautstraße erreichen kann. In 6 Stunden kann man sie gut umwandern. Es lohnt sich!
 

 

Zwischen diesen beiden Zinnen ist der Paternkofel zu erkennen, dessen Gipfel man über einen Klettersteig erklimmen kann, der lange Strecken auch durch alte Kriegsstollen führt.

Nach erneuter Umrundung der Drei Zinnen fliege ich weiter Richtung Schluderbach (Höhlensteintal) und nach Dobbiacco (Toblach).

Kurz hinter Innichen erreichen wir die Grenze Italien-Österreich. Padova Info habe ich seit dem Start in Bozen nicht erreicht, so dass ich dort auch den Grenzüberflug nicht melden kann. Ein Versuch, jetzt Wien Info zu erreichen, scheitert ebenfalls. Die hohen Berge haben halt ihre Eigenheiten, speziell wenn man als Alpenflieger nicht über die Gipfel, sondern zwischen den Gipfeln fliegt. Aber gerade das macht den Reiz aus.
Von Lienz aus ist die weitere Route nach Norden vorgesehen. Es soll durch den Großglockner-Korridor gehen. Durch unterschiedliche Landesgesetze in Österreich ist geregelt, dass verschiedene Naturschutzgebiete - so auch die Hohen Tauern - nur in einer Höhe von mindestens 5000 Metern (!!!) überflogen werden dürfen. Obwohl die Länder Regeln für den Luftverkehr aufstellen wollen, geben sie die Höhe nicht in ft. an. 5000 Meter sind mit den kleineren Maschinen aber nicht erreichbar. "Großzügigerweise" hat man im Bereich der Hohen Tauern aber zwei Korridore zum Überfliegen des Alpenhauptkammes in geringerer Höhe freigegeben. Es handelt sich um die Strecken über den Felbertauern und am Großglockner vorbei. Von Austrocontrol bekommt man auf Nachfrage kaum eine Antwort. Die Antwort an mich war: "Es ist eine Grauzone. Aber man sollte die Landesgesetze besser beachten". In der österreichischen AIP gibt es keine klaren Aussagen, sondern nur Verweise auf die Landesgesetze.
Wie auch immer, ich wollte mich auch an die Landesgesetze halten und habe mich bemüht, den teilweise sehr engen Großglocknerkorridor zu fliegen. Die Gesetzgeber (der österreichischen Landesgesetze) sind vermutlich keine Piloten. Ansonsten hätten sie weniger enge Korridore freigegeben.
Am Flugplatz in St. Johann i. T. hörte ich von einem einheimischen Piloten, dass der Wirt der Edelweißspitze an der Großglockner-Hochalpenstraße Piloten zur Anzeige bringt, die sich nicht ganz genau an den Korridor halten. Ob dieser Wirt sich wohl gelegentlich die "Spionage-Laser-Technik" von Bonn-Hangelar ausleiht!?
Ich denke, dass ich dem "besonderen Wirt" keine Gelegenheit gegeben habe, meinen Track zu beanstanden.

Hier ein Foto vom Flug durch den Korridor. In der Bildmitte ist der Großglockner schon zu sehen, rechts daneben die Glocknerwand. Ganz rechts im Bild der Johannisberg, von dem letztlich die Gletscher herunterziehen und im immer kleiner werdenden Pasterzen-Gletscher enden.

Kurz vor erreichen des Alpenhauptkamms nahe des Hochtortunnels bekomme ich nun auch Funkverbindung mit Wien Info. Ich liege aber innerhalb der Zeiten des Flugplanes, so dass der bisher fehlende Funkkontakt nicht störend war. Wien Info bittet mich lediglich, mich bei Anflug auf St. Johann i. T. erneut zu melden bzw. abzumelden.
Der Flug verläuft weiter über das Ferleitental, und Zell am See nach Saalfelden, von wo es mit Westkurs dann auf St. Johann i. T. zu geht. Ich melde mich rechtzeitig bei Wien Info ab und nehme Funkkontakt mit St. Johann auf. Dort ist RWY 31 in Betrieb, so dass ich den Flugplatz im Direktanflug erreichen kann.
Nach 1 Std. 39 Minuten Flugzeit durch die wunderschöne Alpenwelt lande ich um 09.11 UTC in St. Johann i. T. (LOIJ).
Die liebliche Umgebung mit sattgrünen Wiesen lädt zum Verweilen ein. Leider bleibt uns nicht viel Zeit, da wir aufgrund der strengen Mittagspause spätestens zum 10.30 UTC gestartet sein müssen. Ansonsten wäre der Heimflug durch die Gewitterzone kaum noch möglich.
Beim Tanken werden wir von einem Schulbuben unterstützt, der schon davon räumt, später auch die Pilotenlizenz zu erwerben. Er meint, dass seine Schulnoten alle gut sind........ nur in Mathe nicht so ganz.
Na ja, daran kann er ja noch arbeiten.
Krystian bezahlt die Landegebühr und das AVGAS. Die Landegebühr ist mit € 18,50 für eine PA28 schon arg happig und aus meiner Sicht viiiiiiiieeeeel zu hoch.
Gleichwohl können wir uns über die Freundlichkeit und das Willkommensein am Flugplatz St. Johann i. T. nicht beklagen. Trotz der hohen Landegebühr würden wir sicher wiederkommen.
Das Essen im Restaurant am Platz schmeckt übrigens ausgezeichnet.......... wir bekamen "all you can eat" vom Grill. Mehrfaches nachholen war aber verständlicherweise nicht möglich.

Hier ein Blick vom Flugplatz (links die Piste) Richtung Osten (Fieberbrunn, Saalfelden).

Meine Tätigkeit als PIC in den herrlichen Alpen war nun zu Ende. Das letzte Leg zum Heimatflugplatz Meschede-Schüren hatte Krystian übernommen. Letztendlich lag das schwierigere Stück vor uns und damit unter der Verantwortung von Krystian. Aber aufgrund der kritischen Wetterverhältnisse konnte ich mich auch nicht relaxt zur Ruhe legen. Wir mussten gemeinsam den richtigen Weg finden, durch die Gewitter heim zu kommen. Und das ist uns gelungen. Ansonsten hätte ich auch diesen Report nicht schreiben können. :-)

Um 10.19 UTC - also 11 Minuten vor Beginn der strengen Mittagspause am Platz - starten wir für das letzte Leg gen Heimat, nachdem am Boden noch die letzten Wetterprognosen eingesehen wurden. Wir haben die Hoffnung, dass wir die nach Nordosten ziehende Gewitterlinie noch östlich umfliegen können. Die Frage ist einfach: Wer ist schneller und geschickter. Fest steht aber auch, dass wir kein Risiko eingehen. In diesem Punkte können sich Krystian und ich immer 100%ig aufeinander verlassen. Auch deshalb fliegen wir immer gern gemeinsam solche Routen.

Nach dem Start in St. Johann i. T. fliegen wir zunächst südlich des Wilden Kaiser Richtung Inntal und von dort nach Norden über Rosenheim, Deggendorf und Bayrischen Wald nach Weiden. Bis dahin ist trotz immer schlechter werdenden Wetters alles perfekt gelaufen. Aber dort hat sich vor uns eine "unfreundlich gesinnte" Gewitterzelle aufgebaut. Wir bekommen die ersten verrückten Böen zu spüren und erinnern uns sofort an die Böenwalzen, die wir natürlich nicht austesten wollen. Wir müssen daher sofort nach West ausweichen. Dummerweise sind uns zwei ED-Rs im Wege. Eine kurze Nachfrage bei FIS ergibt, dass diese auch aktiv sind. Wir müssen die ED-Rs daher südlich umfliegen, dürfen aber nicht zu weit nach Westen kommen, um nicht in den Einflussbereich anderer Gewitterzellen zu kommen. Es gelingt uns, die Gewitterzelle bei Grafenwöhr zu umfliegen und haben anscheinend noch rechtzeitig die immer schlimmer werdende Gewitterlinie überwunden. Im weiteren Verlauf nach Norden wird es immer besser. Natürlich haben wir unterwegs ständig überlegt, wo der nächste Flugplatz für eine Sicherheitslandung ist. Über Funk hörten wir immer mehr Piloten, die vorsichtshalber "runter mussten". Natürlich hörten wir auch Fragen von Piloten an den FIS, ob man noch durchkommt oder weiterfliegen kann. Unverständlich. Man kann die PIC-Verantwortung doch nicht auf die netten Menschen von der DFS abwälzen. Im Funk wurde es zumindest immer ruhiger, je weniger Piloten noch in der Luft waren.
An dieser Stelle möchte ich mich auch mal bei den netten Menschen von FIS bedanken. Alle Piloten wurden ständig mit immer neuen SIGMETs versorgt. Das hat manche Entscheidung sicher leichter gemacht. Ich selbst verstehe eigentlich nicht, warum viel zu wenig Piloten sich bei FIS anmelden.

 

Nach 3 Stunden 23 Minuten Flugzeit sind wir dann sicher um 13:42 UTC bei bestem Wetter in Meschede-Schüren gelandet. Silke, die bessere Hälfte von Krystian und einzige (noch) Nicht-Pilotin, schien glücklich zu sein, dass wir unser Ziel müde aber unproblematisch erreicht haben.
Meine gesunde Müdigkeit zeigte sich erst, als ich abends daheim zur Ruhe kam.

Kystian, Silke und ich sind glücklich über das, was wir wieder erleben durften. Und wir freuen uns auf unseren gemeinsamen Fliegerurlaub in Kalifornien im Herbst diesen Jahres.